Studie zu Extremismusprävention (PVE) in der MENA-Region/Study on PVE in the MENA region

„GIZ cannot not work on PVE“ – so die Ansicht von Alexander Ritzmann, Autor der Studie „Prevention of Violent Extremism (PVE) – Methods, Approaches and Potential for GIZ Governance Interventions in the Middle East and North Africa” (link). Die Studie wurde vom GIZ-Fachverbund Governance in der MENA-Region (Go-MENA) in Auftrag gegeben. Der Fachverbund ging der Frage nach, welche Rolle die GIZ, und insbesondere ihre Governance-Programme, im Bereich Extremismusprävention spielen können, denn Terrorismus und gewaltsamer Extremismus bedrohen die Sicherheit und Stabilität vieler Partnerländer.

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Hassrede und Radikalisierung im Netz

September 2018
Der OCCI-Forschungsbericht
Johannes Baldauf, Julia Ebner und Jakob Guhl (Hrsg.)
Vorwort von Prof. Dr. Peter Neumann
Mit Beiträgen von
Simone Rafael
Alexander Ritzmann (Seite 11)
Daniel Köhler
Prof. Dr. Christian Montag
Karolin Schwarz
Josef Holnburger
Dr. Matthias Quent
Sina Laubenstein
Alexander Urban

INTERVIEW MIT EXTREMISMUS-EXPERTE ALEXANDER RITZMANN „Die Menschen sollen Angst vor ihren Nachbarn bekommen“

Potsdamer Neuste Nachrichten, 6. Juni 2018

Der Potsdamer Extremismus-Experte Alexander Ritzmann über Radikalisierung, Echoräume im Internet, mögliche Interventionen und Ausstiegsszenarien „Man kann niemanden radikalisieren, der das nicht will“.

Herr Ritzmann, warum radikalisieren sich heute so viele Menschen?

Die Frage müsste eigentlich anders herum lauten, nämlich warum sich nicht viel mehr Menschen radikalisieren.

Wieso das?

Ich verfolge die Entwicklungen im Bereich Extremismus seit etwa 20 Jahren. Dabei zeigen sich zwei grundlegende Dispositionen für eine Radikalisierung. Zum einen braucht es eine ausgeprägte Unzufriedenheit und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, etwa durch die Politik einer Regierung oder in der persönlichen Entwicklung. Hinzu kommt das emotionale Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer engmaschigen Gruppe. Es geht also darum, einen Platz oder eine Rolle zu finden, häufig mit der Sehnsucht nach einer Aufwertung des eigenen Lebens verbunden. Viele gerade junge Menschen suchen etwas, das einem dabei hilft, aus dem eigenen Status quo herauszukommen. Mit hinein spielt dann oft auch noch etwas Abenteuerlust. Das sind notwendige Bedingungen für alle Radikalisierungen, egal ob nach links, rechts oder zum religiösen Extremismus. Diese Bedingungen treffen allerdings auf Millionen Menschen zu. Dass sich am Ende doch nur einige Tausend davon bis zum gewaltbereiten Extremismus bewegen, liegt an weiteren Faktoren, die von größerer Bedeutung sind.

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Meine Stellungnahme zur Anhörung des Untersuchungsausschusses „Terroranschlag Breitscheidplatz“ des Deutschen Bundestages, 26.04.2018

Stellungnahmen der Sachverständigen „Gewaltbereiter Islamismus und Radikalisierungsprozesse“
(26. April 2018)
Meine schriftliche Stellungsnahme ist hier zu finden.

Die Aufzeichnung der Anhörung kann hier angeschaut werden.

 

Zusammenfassung: 

  • Bei der großen Mehrheit von Radikalisierungsverläufen sind enge soziale (offline) Kontakte mit bereits radikalisierten Personen ausschlaggebend, weniger die Qualität des (online) Propagandamaterials.[i] Die Wirkungswahrscheinlichkeit von Propaganda nimmt also erst zu, wenn man dem Überbringer der Information (Messenger) vertraut. Das notwendige Zusammenwirken von Propaganda und Messenger erklärt auch die „Radikalisierungs-hochburgen“, also geographische Häufungen von Radikalisierungsfällen in bestimmten Stadtteilen oder Dörfern, statt derer gleichmäßigen Verteilung.

 
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A Tribal Call to Arms: Propaganda and What PVE Can Learn from Anthropology, Psychology and Neuroscience

Alexander Ritzmann*

EUROPEAN EYE ON RADICALIZATION, March 22 2018

The Propaganda Process

Is online propaganda really effective? How can it be countered? And what can practitioners of Preventing Violent Extremism (PVE) and policymakers learn from the research findings of other relevant disciplines, such as anthropology, psychology and neuroscience?

Propaganda, understood here as the strategic communication of ideas aiming at manipulating specific target audiences for an extremist cause, generally has three main components. First, it provides a diagnosis of “what is wrong”.  Secondly, a prognosis of “what needs to be done”. Thirdly, a rationale – “who should do it and why” (Wilson 1973).

The self-proclaimed Islamic State (IS), for example, claims that Islam and Sunni Muslims are under attack (diagnosis), that a Caliphate needs to be created (prognosis), and that YOU need to help in any way you can (rationale).

Right wing movements use the same approach. In their diagnosis, migration and corrupt elites are a threat to the white or national identity. The prognosis is that only homogeneous societies with high walls can ensure survival. Then they ask their target audiences to join the fight in any way they can.Weiterlesen »

PROPAGANDA: WIRKUNG, GRENZEN UND GEGENMASSNAHMEN (Interventionen -Zeitschrift für Verantwortungspädagogik)

Interventionen. 09-10 | 2017, Seite 4-9.

Propaganda:  Wirkung, Grenzen und Gegenmaßnahmen

Die Manipulation von Informationen war schon immer ein wichtiges Werkzeug im Streit um die vermeintliche Wahrheit.

Die katholische Kirche beispielweise professionalisierte ihre Missionstätigkeit im Jahre 1622, um der protestantischen Reformation besser entgegenwirken zu können und bezeichnete dies als Propaganda. Als Konsequenz war die „Sacra Congregatio de propaganda fide” bei Katholiken positiv, bei Protestanten negativ besetzt (Bussemer 2013).

Der Versuch, „Wahrnehmungen zu gestalten, Kognitionen (und Emotionen) zu manipulieren und Verhalten zu lenken, um eine Reaktion im Sinne des Propagandisten zu erzielen“ (Jowett 2012), gehört seitdem unter diesem Namen zu jedem politischen und religiösen Konflikt.

Als systematisch geplante Massenkommunikation will Propaganda nicht nur informieren und argumentieren, sie soll überzeugen und überreden. Beim Empfänger soll eine neue „Wahrheit“, ein neuer Deutungsrahmen zur Einordnung von Ereignissen und Themen in die jeweilige Ideologie oder Religion geschaffen werden.

Aber kann man Menschen zum „Glauben“ überreden? Die Wirksamkeit von Propaganda ist umstritten. Klar ist, dass Akteure in politischen oder religiösen Konflikten der Propaganda große Wichtigkeit beimessen und signifikante Ressourcen dafür aufwenden.Weiterlesen »