Inforadio – Was alle Extremisten vereint

RBB-Inforadio.

Fr 05.08.2016 | 09:05 | Interviews

Was alle Extremisten vereint

„Extremistische Gewalt in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und zwar auf allen Seiten. Heiner Martin sprach mit dem Extremismus-Experten Alexander Ritzmann darüber, was alle Extremisten – trotz aller inhaltlichen Unterschiede – vereint: eine „Anti-Haltung“ gegenüber dem bestehenden System. Gleichzeitig möchte jede Ideologie am Ende ihre eigene Utopie, ihre „perfekte Welt“ – ob das jetzt das kommunistische Paradies ist, das „völkische“ Paradies oder das Kalifat. „

Europe can survive ISIS without electing nutjobs (EurActiv)

27.07.2016

By James Crisp | EurActiv.com

Terrorism is not new to Europe, despite the recent Islamic State inspired attacks that have rocked France and Germany, Alexander Ritzmann has said. The terror and radicalisation expert said it was vital that the outrages did not lead to policy decisions confusing migration with terrorism ahead of crunch elections in Germany and France next year.

Alexander Ritzmann is Senior Advisor to the European Foundation for Democracy in Brussels. He chairs the Communication and Narratives Working Group at the European Commission’s Radicalisation Awareness Network and teaches on terrorism at Potsdam University. Ritzmann was a member of the Berlin State Parliament, overseeing the state police and intelligence agency. He spoke to EurActiv.com News Editor James Crisp yesterday (26 July) after the terrorist attacks in Nice, Würzburg, and Ansbach but before the attack in Rouen (26 July).

Could the recent attacks in Germany have an impact on the country’s asylum policy?

There is a perception that the attacks are linked to the welcoming of refugees to Germany.  But it is the job of policymakers and the media to help the population understand the difference.  If there are 500,000 Syrian refugees and one of them stabs someone that is not something that policy should be dealing with. It is a crime and it should be investigated by the police. And, by the way, the average Syrian refugee commits fewer crimes than the average German citizen.

There is of course the potential for radicalisation and for sectarian violence. The refugees bring the conflict with them. Right now everyone is focused on settling and surviving but I am absolutely sure the conflict in Syria will come back to people. Already, they do not trust other Syrian refugees, they will ask where they come from, for example. When you talk to them, they could have family and friends who have been tortured or murdered by someone in the next room belonging to the same group. We work with Syrians on overcoming these sectarian divisions.

There’s also potential for radicalisation in the future if the government doesn’t work with the right institutions. There are some very conservative organisations in Germany with links to the Muslim Brotherhood, people who would rather build parallel societies than integrate. But the government wants to work with organisations, even if those are mentioned in domestic intelligence reports as having Muslim Brotherhood ties, being part of political Islam. And these organisations can become partly government funded, which can lead to uncomfortable headlines in the future.Weiterlesen »

Ägypten braucht mehr als einen neuen Präsidenten (DIE ZEIT online)

Wer immer Ägyptens Präsident wird: Auf ihm ruhen viele Hoffnungen. Doch das Militär bleibt verankert in Politik und Wirtschaft. Das muss sich ändern, fordert A. Ritzmann.

DIE ZEIT online, 29.05.2012 

Noch ist offen, wer Ägyptens neuer Präsident wird, aber im Grunde ist das auch gar nicht so wichtig. Denn egal, wer sich am Ende durchsetzt: ob Mohammed Mursi, der hohe Funktionär der Muslimbruderschaft, oder Ahmed Schafik, der Ex-General und Gefolgsmann von Hosni Mubarak: Die Probleme Ägyptens lassen sich weder mit mehr Frömmigkeit noch mit einem System Mubarak 2.0 lösen. Entscheidend für die Zukunft Ägyptens ist vielmehr, ob die beherrschende Rolle des Militärs reduziert und strukturelle Reformen der politischen und wirtschaftlichen Ordnung umgesetzt werden können.Weiterlesen »

„Der islamische Frühling in der Arabischen Welt – Demokratieförderung zur Schaffung ziviler Sicherheit“, BIGS-Policy Paper

Alexander Ritzmann, Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit, BIGS Essenz, „Der islamische Frühling in der Arabischen Welt – Demokratieförderung zur Schaffung ziviler Sicherheit“, März 2012.

Abstract

• Die sich im Umbruch befindlichen Arabischen Staaten stehen erst am Anfang ihres jeweils neuen, eigenen Weges. Diejenigen, die sich in Richtung einer pluralistischen Demokratie entwickeln, werden für sich und ihre Nachbarstaaten Demokratiedividenden generieren, die unter anderem zu einem Zuwachs an ziviler Sicherheit führen. Denn mehr Demokratie in der Arabischen Welt führt zu weniger militanter Opposition innerhalb der jeweiligen Staaten und würde somit den Export von Extremisten und deren Ideologien auch nach Europa verringern. Europäische Demokratieförderung und der direkte Dialog mit pro-demokratischen Islamisten in der arabischen Welt sind deshalb im europäischen und deutschen Interesse.

• Umfragen zufolge wollen fast 90% der Ägypter den Einfluss der Scharia in der Politik und verbinden damit zu über 85% Frauenrechte, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Förderung der Wissenschaften und Minderheitenschutz. Entscheidend ist nicht, dass sich eine Scharia-Demokratie vom westlich-liberalen Modell unterscheiden würde, sondern wie die Scharia in Verfassung und Tagespolitik in Bezug auf bürgerliche Freiheiten sowie die Rechte von Frauen und Minderheiten interpretiert wird. Ein islamisch-arabisches Demokratiemodell könnte akzeptanz- und identitätsstiftend sein, Extremisten die Rekrutierung von Anhängern erschweren und positive Impulse in die europäische Diaspora senden.

• Die von den islamistischen Wahlsiegern über Jahrzehnte in der illegalen Opposition oder im Exil entwickelten Konzepte, Programme und Forderungen müssen nun mit der vorgefundenen Realität in Einklang gebracht werden. Die Funktionäre der Muslimbruderschaft stammen aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mittelstand. Zwar werden auch dort hitzige Debatten über den israelisch-palästinensischen Konflikt und die diesbezügliche Rolle Europas und der USA geführt, letztendlich muss die Bruderschaft jedoch Lösungen für die Brot-und-Butter-Themen liefern.

• Ob die Muslimbrüder und Teile der Salafisten in Sachen Demokratie und Menschenrechte ehrliche Protagonisten sind oder doch insgeheim eine antidemokratische Agenda verfolgen, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. Ein konsequentes Monitoring der parlamentarischen Aktivitäten der islamistischen Gruppierungen erscheint als das gegenwärtig geeignetste Vorgehen. Die wirksame Implementierung der neuen EU-Nachbarschaftsinitiative, in der ein „mehr“ an Demokratie, Pluralismus und Menschenrechten in Transformationsstaaten finanziell belohnt wird, Rückschritte dagegen sanktioniert werden, ist zudem dringend notwendig.

Wo die Scharia Demokratie bedeutet (DIE ZEIT online)

Kopftuchzwang, Steinigungen, Islamismus – das versteht der Westen unter der Scharia. Für die meisten Ägypter aber ist sie der Garant für den Rechtsstaat.

Alexander Ritzmann, 05.03.2012, DIE ZEIT Online

Nach den Wahlsiegen der Muslimbrüder in Ägypten und Tunesien haben viele politische Beobachter den arabischen Frühling eilig zum islamistischen Winter erklärt. Dabei ist noch völlig offen, wohin es in diesen beiden Ländern politisch gehen wird.

Eines aber steht schon fest: Rund 90 Prozent der Ägypter wünschen sich den Einfluss der Scharia in der Politik. Entsprechende Umfrageergebnisse von 2007 wurden im vergangenen Jahr bestätigt. Bei den Wahlen in Ägypten gingen deshalb auch mehr als 80 Prozent der Stimmen an Parteien, die das islamische Recht als Quelle der Gesetzgebung fordern.

Doch anders als im Westen verbinden die Menschen in Ägypten die Scharia nicht mit einem islamistischen Gottesstaat, mit Steinigungen oder Händeabhacken. Im Gegenteil: Für mehr als 85 Prozent der Ägypter steht die Scharia für Frauenrechte, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Förderung der Wissenschaften und Minderheitenschutz.Weiterlesen »

Mehr Demokratie, weniger Terror: Demokratie auch bei Islamisten fördern (Potsdamer Neueste Nachrichten)

Potsdamer Neueste Nachrichten, 28.02.2012

von Jan Kixmüller

Der Westen müsse davon abkommen, die arabische Welt hauptsächlich über den gewaltbereiten islamischen Extremismus zu definieren. Schließlich handele es sich dabei nur um zwei bis drei Prozent der dortigen Bevölkerung. So lautet das Fazit von Alexander Ritzmann. Der Wissenschaftler des Brandenburgischen Instituts für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) hat unlängst im kleinen Kreis am Institut erste Ergebnisse seines Forschungsprojektes „Der islamische Frühling in der arabischen Welt – Demokratieförderung zur Schaffung ziviler Sicherheit“ vorgestellt. Er empfiehlt nun, in Ländern wie Ägypten den Dialog mit pro-demokratischen Islamisten zu suchen.

Ritzmann geht davon aus, dass pluralistische Demokratien weniger militante Opposition schaffen als andere Regierungsformen. Mehr Demokratie in der arabischen Welt würde somit auch den Export von Extremisten und deren Ideologien nach Europa verringern. Der Zusammenhang von Demokratieförderung und ziviler Sicherheit sei als langfristige Perspektive zu sehen. „Darin stecken nun viele Chancen für den Westen, der Dialog ist potenziell mehr Wert, als die vielen Diskussionen um Griechenland.“

Ritzmann hat sich als politischer Analyst einen Namen gemacht, er ist als Sachverständiger vor dem EU-Rat, der EU-Kommission, dem US-Kongress und dem US-State-Department aufgetreten. Er berät zudem Abgeordnete des Deutschen Bundestags, des US-Kongress’ und des Europäischen Parlaments. Seine Expertise liegt in den Bereichen Demokratieförderung, politischer/religiöser Extremismus und Terrorismus. Er arbeitet seit November 2010 am BIGS. Das Institut, das unter der Beteiligung der Universität Potsdam, aber auch rüstungsnaher Unternehmen wie EADS, IABG und Rolls-Royce entstanden ist, versteht sich als Think Tank für Fragen ziviler Sicherheit.

Die dominierende Rolle islamistischer Parteien im Rahmen der Umbrüche in Ägypten und Tunesien hat Ritzmann aus sicherheitspolitischer Perspektive betrachtet. Weiterlesen »

Al Qaida setzt auf Einzelkämpfer (DIE ZEIT Online)

Alexander Ritzmann, Zeit Online, 07.09.2011.

Zu großen Anschlägen ist al Qaida zehn Jahre nach 9/11 nicht mehr fähig. Die Terrororganisation will jedoch mit Einzeltätern Angst schüren.

Al Qaida ist heute, zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001, so schwach nie zuvor. Nachrichtendienste und unabhängige Experten sind sich weitgehend einig, dass die Terrororganisation keine strategische Bedrohung mehr darstellt, also keine international koordinierten und groß angelegten Anschläge im Stil von 9/11 verüben kann.

Auch die gezielten Tötungen hochrangiger Führungskader in den letzten Monaten zeigen, wie angeschlagen die gefürchtete Mördertruppe ist. Daran ändern auch begrenzte Erfolge wie im Jemen nichts. Und auch al Qaidas Propagandastory, die Geschichte vom gerechten, heiligen Verteidigungskrieg gegen die Juden und Kreuzfahrer, findet laut Umfragen zunehmend weniger Anhänger.Weiterlesen »

Zehn Jahre nach dem 11. September 2001 – Neue Herausforderungen im Kampf gegen al-Qaida, BIGS Policy Paper.

Alexander Ritzmann, September 2011

Immer noch ist unklar, welche Konsequenzen der Tod Osama Bin Ladens und weiterer wichtiger Al-Qaida-Führungskader haben wird. Auch innerhalb der US-Regierung herrscht anscheinend Uneinigkeit darüber, wie gefährlich die nun unter Aiman al-Sawahiris Kommando stehende Terrororganisation im Moment ist. Leon E. Panetta, ehemaliger CIA-Direktor und seit Juli dieses Jahres US-Verteidigungsminister, geht davon aus, dass die strategische Niederlage al-Qaidas in greifbarer Nähe liegt. Der gerade aus dem Amt geschiedene Direktor des ‚National Counterterrorism Center‘, Michael E. Leiter, sieht al-Qaidas Führung zwar geschwächt, weist aber darauf hin, dass deren harter Kern immer noch in der Lage sei, Anschläge zu verüben. Zudem habe der Ableger ‚al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH)‘, verantwortlich für den sogenannten Weihnachts-Unterhosenbomber im Dezember 2009, die Paketbomben in UPS-Frachtflugzeugen im Oktober 2010 und das vielbeachtete Internet-Magazin ‚Inspire‘, an Bedeutung gewonnen.

Mehr dazu…

Schwer umerziehbar (Internationale Politik)

5. Januar 2011
INTERNATIONALE POLITIK (IP), in: Ausgabe Januar/Februar 2011
von Alexander Ritzmann

Lassen sich Terroristen entradikalisieren, und wenn ja, wie? In Deutschland sind es Dutzende, in der EU Hunderte, in muslimischen Ländern noch weit mehr: inhaftierte Terroristen, die irgendwann wieder in genau die Gesellschaften entlassen werden, für deren Bekämpfung sie verurteilt wurden. Was bewirken Entradikalisierungsprogramme in der islamischen Welt, wie könnten sie in Europa aussehen?

In Deutschland sind es Dutzende, in der EU Hunderte, in muslimischen Ländern noch weit mehr: inhaftierte Terroristen, die irgendwann wieder in genau die Gesellschaften entlassen werden, für deren Bekämpfung sie verurteilt wurden. Was bewirken Entradikalisierungsprogramme in der islamischen Welt, wie könnten sie in Europa aussehen?

„Osama Bin Laden gegen Angriffe auf den Westen – neue Fatwa verurteilt Terroranschläge“: Es ist wenig wahrscheinlich, dass man eine solche Überschrift in ganz naher Zukunft in der Zeitung lesen wird, würde es doch voraussetzen, dass der Al-Kaida-Chef an einem der in vielen muslimischen Ländern laufenden Entradikalisierungsprogramme teilnähme. Immerhin, die Quote derer, die dem militanten Dschihad abschwören, liegt angeblich zwischen 80 und 99 Prozent.Weiterlesen »

Mörder, nicht Muslime (Der Tagesspiegel)

von Alexander Ritzmann

Der Tagesspiegel, 17.Juni 2010

Die USA verabschieden sich vom Begriff des „radikalen Islam“

In der jüngst veröffentlichten „National Security Strategy“, dem sicherheitspolitischen Standardwerk der US-Regierung, hat diese sich vollständig von Begriffen wie „radikaler Islam“ und „islamistischer Terrorismus“ verabschiedet. Das 55-seitige Dokument nennt den Islam gerade zweimal, aber nur, um zu betonen, dass man keinen Krieg gegen den Islam führe. Dieser Wandel in der Wortwahl hatte gegen Ende der Regierung Bush begonnen, Obama hat ihn konsequent weitergeführt.

In Großbritannien meidet die Regierung Begriffe wie Dschihad, Mudschaheddin, islamischer oder islamistischer Terrorismus oder auch nur Islam in Verbindung mit Al Qaida und Konsorten. Vielmehr wird Osama bin Ladens Truppe als Mörderbande porträtiert, die jeden zur Zielscheibe erklärt, der ihren Forderungen im Weg steht: Muslim, Christ, Jude oder Atheist. Dahinter stecken weder Political Correctness noch Schönfärberei. Obama hat erkannt: Wer die Worte Islam und Terrorismus ständig verbindet, besorgt ungewollt das Geschäft der Extremisten.

Wie das? Wenn Regierungen und Medien die Wortwahl der selbst ernannten Gotteskrieger im Kern übernehmen, legitimieren sie das Misstrauen der Nichtmuslime gegenüber den Muslimen. Dies soll laut Plan der Extremisten dazu führen, dass sich Muslime, mit Stereotypen und Vorurteilen überhäuft, von der Mehrheitsgesellschaft ab- und den Extremisten zuwenden. Natürlich sind all jene, die als Islamisten oder islamistische Terroristen bezeichnet werden, Muslime. Aber ist es deshalb klug, den Islam vor jede Gräueltat zu spannen, nur weil die Täter behaupten, im Namen dieser Religion zu handeln?Weiterlesen »