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Was al-Qaida wirklich von Deutschland will (Die Welt)

Mai 9, 2009

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 21. Januar 2009

Terror-Pate Osama bin Laden hat der westlichen Welt den Krieg erklärt. Er will alle Truppen, die sich „illegal“ auf muslimischem Boden aufhalten, vertreiben oder vernichten. Dazu gehört nach al-Qaida auch die Bundeswehr, die in Afghanistan Wiederaufbauhilfe leistet. Wäre Deutschland also sicherer, wenn es nachgäbe?

Am Sonntag hat al-Qaida Deutschland gedroht, man werde Anschläge gegen deutsche Soldaten und deutsche Wirtschaftsinteressen im Ausland verüben, wenn die Bundesregierung ihre Truppen nicht aus Afghanistan zurückziehe.

Wäre Deutschland also sicherer, wenn man Osama bin Ladens Truppe nachgeben würde? Die Antwort darauf lautet: Nein. Dafür gibt es zwei Gründe.

Zunächst zeigt der Fall Spanien, dass al-Qaida nicht Wort hält. Nach den Anschlägen in Madrid im Jahr 2005, bei dem 191 Menschen ermordet und mehr als 2000 verletzt wurden, wurde die spanischen Regierung aufgefordert, ihre Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Die Regierung kam dieser Forderung nach.

Trotzdem hat es seit dem mehr als ein Dutzend versuchter Anschläge auf Ziele in Spanien durch al-Qaida nahe Terroristen gegeben.

Ähnlich gelagert ist ein weiterer Fall: Bereits im Dezember 2000 hatten al-Qaida nahe Terroristen von Frankfurt aus versucht, Besucher des Straßburger Weihnachtsmarktes, darunter viele Deutsche, in die Luft zu sprengen. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber gar keine deutschen Soldaten in einem muslimischen Land.

Bin Laden behauptet, er habe gar kein Problem mit dem Westen, sondern verteidige nur den Islam. Und weil der Westen angeblich einen Krieg gegen den Islam führe, seien sämtliche Terroranschläge der Vergangenheit reine Verteidigungs- oder Vergeltungsaktionen.

In dieses Weltbild passt dann auch, dass selbst das neutrale Schweden in das Visier von al-Qaida geraten ist. Im März 2008 rief al-Qaida zur Ermordung des schwedischen Karikaturisten Lars Vilks auf. Es würden 100.000 Dollar Belohnung für seinen Tod bezahlt werden, falls dieser jedoch zusätzlich noch wie ein Lamm geschächtet würde, werde die Summe auf 150.000 Dollar erhöht.

Der zweite Grund, warum ein Rückzug aus Afghanistan Deutschland nicht sicherer machen würde, liegt in den langfristigen Zielen der al-Qaida. Zunächst soll die al-Aksa Moschee in Jerusalem und die Heilige Moschee in Mekka „befreit“ und alle Ungläubigen von der arabischen Halbinsel vertrieben werden. Im Anschluss daran soll ein islamistischer Superstaat, Kalifat genannt, zunächst im Nahen Osten errichtet werden.

Das Gesicht der neuen Terror-Generation Die pro-westlichen Regierungen in der Region müssten deshalb gestürzt werden. Danach soll die Rückeroberung Andalusiens, also weite Teile Spaniens und Portugals, erfolgen sowie weitere ehemals unter der Herrschaft eines Kalifen stehende Territorien.

Der wirkliche Forderungskatalog von al-Qaida an Deutschland sieht also wie folgt aus: Rückzug aller deutschen Soldaten aus muslimischen Ländern und der Abbruch der Beziehungen zu Israel, den USA und Großbritannien – dem Kern der so genannten jüdisch-christlichen Kreuzfahrer-Allianz.

Ebenso muss es ein Ende der Unterstützung pro-westlicher Regierungen wie in Jordanien, Ägypten oder Pakistan geben, sowie eine al-Qaida genehme Einschränkung der Meinungs- und Kunstfreiheit und das Einverständnis, dass alle ehemaligen unter muslimischer Herrschaft stehenden Gebiete Europas „zurückgegeben“ werden.

Das mag für manchen absurd klingen. Aber das ist es, was al-Qaida von Deutschland wirklich will.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch “.

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