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Warum sich al-Qaida vor Barack Obama fürchtet (Die Welt)

Mai 9, 2009

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 26. November 2008

In einer Videobotschaft von letzter Woche beschimpft al-Qaidas Nummer Zwei, Aiman al-Sawahiri, den neu gewählten US-Präsidenten Barack Obama als „Hausneger“. Handelt es sich dabei um einen rassistischen Ausfall von Osama bin Ladens Chefstrategen? Keineswegs – es steckt Methode dahinter.

Zunächst zum Inhalt der Botschaft: Al-Sawahiri unterteilt darin Farbige in den USA in zwei Gruppen – die so genannten „Feldneger“ (Field Negros) und die „Hausneger“ (House Negros) – und bezieht sich damit auf Äußerungen des radikalen muslimischen Bürgerrechtlers Malcom X aus den 1960er-Jahren: Malcolm X hatte damals versucht, die Aufrufe von Martin Luther King zum gewaltlosen Protest zu diskreditieren, indem er behauptete, King sei von den Weißen gekauft worden – er sei also ein „House Negro“.

Al-Sawahiri will nun auch Obama in diese Schublade packen. Der normale Farbige in den USA habe mit Obama nichts zu tun und werde bis zum heutigen Tage vom weißen Mann unterdrückt und ausgebeutet. Al-Qaida, so Zawahiri, kämpfe auch für die unterdrückten Farbigen in den USA.

Den Verweis auf Malcolm X hat es bereits mehrfach gegeben – Al-Sawahiri hatte ihn als Märtyrer bezeichnet und Afro-Amerikaner aufgefordert, wie Malcolm X ihr Leben im Kampf gegen die „Unterdrücker“ zu opfern und sich nicht etwa um „Diplome, Jobs, …, Altersvorsorge und die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern“.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein großer Teil der Muslime in den USA Afro-Amerikaner sind. Das FBI hatte im Mai letzten Jahres zudem berichtet, al-Qaida wolle gezielt farbige Amerikaner rekrutieren.

Die Wahl Obamas stellt al-Qaida These der allgegenwärtigen Unterdrückung der Farbigen in den USA klar in Frage. Außerdem scheint es so zu sein, dass Obama aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit und nicht zuletzt weil sein zweiter Vorname „Hussein“ lautet, in Teilen der islamischen Welt sehr positiv aufgenommen wird.

Deshalb soll Obama nun diskreditiert werden. Während er in dem Video mit Kippa vor der Klagemauer in Jerusalem gezeigt wird, sagt al-Sawahiri: „Obama ist kein Muslim, er ist ein Abtrünniger, der die Religion seiner Vorfahren (Obamas Vater und Großvater waren Muslime) verlassen hat, um sich dem Glauben der Kreuzfahrer und der Ideologie der Zionisten anzuschließen“.

Al-Qaida ist übrigens selbst eine rassistische Organisation. Deren Führung besteht fast ausschließlich aus Ägyptern und Saudis – Farbige belegen höchstens mittlere Ränge. Und was hätte Malcolm X dazu gesagt, dass al-Qaida in den 90er Jahren ihre hellhäutigen Mitglieder besser bezahlt hat als ihre farbigen?

Während al Zawahiri sich also auf Malcolm X beruft, zitierte Obama nach seiner Wahl aus Kings Rede „I have a dream“, und sagte, der „Bogen der Geschichte neigt sich nun in Richtung Gerechtigkeit“. Das im Moment meistverkaufte T-Shirt bei Ebay in den USA hat übrigens den Aufdruck: „Der Traum ist wahr geworden“.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch“.

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