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Warum al-Qaida Obama den Gaza-Krieg vorwirft (Die Welt)

Mai 9, 2009

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 14.01.2008

Mit aller Kraft versucht al-Qaida, Barack Obama in der muslimischen Welt in Misskredit zu bringen. Zuletzt bezeichnete die Organisation den Gaza-Krieg als „Geschenk“ des gewählten US-Präsidenten an die Palästinenser. Grund für die verbalen Angriffe: Obama bringt mit seiner Biografie al-Qaidas Feindbild ins Wanken.

Al-Qaida hat vergangene Woche erneut den neu gewählten, aber noch nicht im Amt befindlichen US- Präsidenten Barack Obama verbal angegriffen. Osama bin Ladens Stellvertreter, Aiman al Zawahiri, verkündete der Krieg in Gaza sei „ein Geschenk“ Obamas an die Palästinenser.

Dieser würde, allen Wahlversprechungen zum Trotz, eben doch nichts besser machen, sondern lasse das „Töten unserer Brüder und Schwestern in Gaza ohne Gnade oder sogar Bedauern“ zu. Es ist fest davon auszugehen, dass Al Zawahiri weiß, dass Obama noch gar nicht im Amt ist. Warum also versucht er ihn nun als Lügner und Versager darzustellen?

Dahinter steckt die Befürchtung, dass Obamas vorhandene Popularität in weiten Teilen der muslimischen Welt al-Qaida große Probleme bereiten könnte. Denn das aufgestellte Feindbild vom weißen Kreuzritter USA, der einen Krieg gegen den Islam führe – das ist eine Kernbotschaft von al-Qaida -, gerät durch Obamas Biographie massiv ins Wanken.

Hälfte der Deutschen hält Israel für „aggressiv“ Sämtliche Terroranschläge der Vergangenheit wurden nämlich als reine Verteidigungs- oder Vergeltungsaktionen gerechtfertigt. So sagt bin Laden beispielsweise, dass das Töten von Deutschen in Tunesien, von Franzosen in Karachi und im Jemen, von Briten in London, Spaniern in Madrid, Australiern auf Bali, Russen in Moskau nur zur Verteidigung des Islam geschehen sei.

Bereits im Dezember 2008 hat al-Qaida versucht, Obama als vom weißen Mann gehaltenen „Hausneger“ darzustellen, der die Interessen der Farbigen verrate. Demnächst dürfte seine muslimische Abstammung thematisiert werden, denn Obamas Vater und Großvater waren Muslime, und damit ist der Christ Obama in den Augen der Islamisten ein Abtrünniger, der mit dem Tode zu bestrafen ist.

Bin Ladens Truppe besitzt jedoch im Moment selbst kaum noch Autorität und befindet sich innerhalb der internationalen Islamistenszene in einer Legitimationskrise. Ob es al-Qaida also gerade jetzt gelingt, Obamas positives Image in der muslimischen Welt zu beschädigen, ist mehr als zweifelhaft.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch“.

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