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Terroristen machen mit Mythen Propaganda (Die Welt)

Mai 9, 2009

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 04. Februar 2009

Die Terror-Organisation „Islamische Dschihad Union“ (IDU) hat in einer Videobotschaft Deutschland gedroht. Ein Sprecher der IDU rief dreimal den Satz: „Vergiss nicht Khaibar“. Was er damit meinte und warum dieser Ausspruch Grund zur Sorge gibt, erklärt unser Autor in seiner Kolumne „Dschihad auf Deutsch“.

“Vergiss nicht Khaibar” rief der Sprecher der „Islamischen Dschihad Union“ (IDU) auf deutsch zum Schluss des am Wochenende bekannt gewordenen Drohvideos und wiederholte den Satz dreimal. Ferner erklärte die Terrororganisation, mit Hauptsitz im pakistanischen Nord-Wasiristan, dass die Ungläubigen den Muslimen, die mit ihren Zungen und Waffen den Islam verteidigen würden, den Krieg erklärt hätten. Auch, dass es keinen Frieden mit dem Feind geben könne. Der Verbündete der Besatzungsmächte, also Deutschland, müsse jeder Zeit mit Angriffen rechnen. Als aktueller Anlass dient der Gaza-Krieg.

Die IDU wird von Türken und Usbeken geprägt und kämpft an der Seite von Taliban und al-Qaida. Die so genannte „Sauerland-Gruppe“, bestehend aus deutschen Konvertiten und Türken, hatte im September 2008 Anschläge gegen US-Militärbasen, den Flughafen Frankfurt/Main und von Amerikanern besuchte Diskotheken geplant.

Die IDU ist eine klassisch global-dschihadistische Organisation. Es geht nicht nur um die Sache Usbekistans, Afghanistans, Tschetscheniens und Palästinas. Ihr Ziel ist es vielmehr, den Islam zur einzigen Religion auf der Welt zu machen und Europa der Jizya-Steuer für Ungläubige zu unterwerfen. Damit schließt sich der Kreis zu den „Khaibar”-Rufen im aktuellen Video.

Khaibar, eine von Juden bewohnte Oase im heutigen Saudi-Arabien, wurde 629 nach Christi vom Propheten Mohammed und seinen Truppen erobert. Dies gelang ihm ungeachtet der zahlenmäßigen Übermacht der anderen Seite. Dieses Ereignis wird seitdem für die Überlegenheit der Muslime in der Kriegsführung und für die Fähigkeit, in scheinbar ausweglosen Situationen doch noch zu siegen, gesehen.

Die Krieger der unterlegenen Juden wurden getötet und die meisten Frauen versklavt. Die restliche Bevölkerung durfte an diesem Ort weiterleben, unter dem Schutz der Besatzer, jedoch mit eingeschränkten Rechten und der Pflicht eine Steuer für Ungläubige zu zahlen. Dieser sogenannte „Dhimmi-Status“ wurde das Vorbild für den Umgang mit unterworfenen Völkern während der Eroberungszüge der Nachfolger Mohammeds. Die Juden von Khaibar wurden 5 Jahre später vom Kalifen Umar nach Syrien verbannt und ihr Land beschlagnahmt.

Der Mythos gegen einen stärkeren Gegner gewinnen zu können, wenn man Allah auf seiner Seite hat, prägt bis heute die Ideologie der Dschihadisten.

Einer der Drahtzieher der Attentate auf Bali, beim dem im Jahr 2002 mehr als 200 Menschen ermordet wurden, rief am Tag seiner Urteilsverkündung: „Juden, erinnert euch an Khaibar. Die Armee Mohammeds kommt zurück, um euch zu besiegen.“ Unter den Opfern waren Australier, Indonesier, Briten, Amerikaner, Schweden, Holländer und auch sechs Deutsche.

Während des Krieges zwischen der libanesischen Hisbollah und Israel im August 2006 schoss die Hisbollah mit iranischen „Khaibar-1“ Raketen auf israelische Städte und Dörfer. Libanons führender schiitischer Geistlicher, Mohammed Hussein Fadlallah, lobte die Hisbollah dafür, eine „neue Schlacht von Khaibar“ begonnen zu haben.

Für Dschihadisten stellt der Sieg über die Juden genauso wie deren Versklavung und Vertreibung einen wichtigen Bestanteil ihrer Ideologie dar. Und wenn es nach den selbst ernannten „Heiligen Kriegern“ geht, dann soll dieses Schicksal heute alle Ungläubigen treffen, die sich nicht freiwillig fügen. Genau das verbirgt sich hinter den „Kahibar“ rufen.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch“.

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