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Irakische Islamisten bewundern die US-Politik (Die Welt)

Mai 9, 2009

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 24.12.2008

Lobende Worte von irakischen Aufständischen für die USA? So etwas gibt es tatsächlich. Der Chef der Islamischen Armee im Irak hat im Präsidentschaftswahlkampf zahlreiche Aspekte entdeckt, die ihm gefallen. Seine Organisation könne von Barack Obama, John McCain und Hillary Clinton eine Menge lernen, meint er.

Die Islamische Armee im Irak (IAI) hat dazu aufgerufen, die richtigen Konsequenzen aus den Präsidentschaftswahlen in den USA zu ziehen. Der nach dem Sturz des Saddam-Regimes 2003 gegründeten IAI gehören sowohl Islamisten als auch Nationalisten an. Die Organisation wird für diverse Entführungen von ausländischen Zivilisten sowie für Anschläge auf irakische und amerikanische Soldaten verantwortlich gemacht.

Ihr Sprecher Dr. Ali al-Nuaimi hat nun in einem durch die amerikanische „NEFA Foundation“ veröffentlichten Dokument – neben den pflichtgemäßen Angriffen auf Juden, Zionisten und Kreuzfahrer – die Einigkeit, Risikobereitschaft und Kompromissfähigkeit des amerikanischen Volkes gelobt.

Al-Nuaimi erläutert zunächst, dass es zwischen den Muslimen im Irak einen entwürdigenden Wettbewerb gebe, bei dem sogar „rechtliche Taktiken“ genutzt würden, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es sei schändlich, wenn man andere Kandidaten während des irakischen Wahlkampfes nicht unterstütze. Der US-Präsidentschaftswahlkampf zeige, wie es eigentlich zu laufen habe.

Hillary Clinton wird dafür gelobt, dass sie, als Barack Obama in den Umfragen klar in Führung lag, auf ihre Kandidatur verzichtet hatte. Clinton habe alle Meinungsverschiedenheiten beiseite gelegt und mit Obama zusammengearbeitet, damit ihre Partei den Sieg davon tragen könne. Dies sei, so al-Nuaimi, eine wichtige Lektion für die Führer, Geistlichen und „Heiligen Krieger“, die sich bislang alle gegenseitig bekämpfen würden.

Als weiteres Vorbild für die sich bekriegenden Milizen und Terrororganisationen wird dann John McCain angeführt, der in „bewundernswerter Weise“ nach seiner Niederlage seinen Unterstützern seine Fehler eingestanden und Obama zu seinem Sieg gratuliert hatte.

Trotz der verheerenden Niederlagen von Clinton, McCain und anderen, habe man sich nicht gegenseitig dämonisiert oder – wie es im Irak geschehe – versucht, sich gegenseitig umzubringen.

Außerdem wird die Wahl von Barack Obama, des „politisch unerfahrenen schwarzen Mannes mit islamischen und afrikanischen Wurzeln“, als positives Beispiel für die Risikobereitschaft der Amerikaner bewertet. Sie könne dazu führen, dass der Hass auf Amerika zurückgehe.

Warum aber spricht die IAI, die sich im Krieg mit allen „Besatzern“ befindet – damit sind neben den Amerikanern und anderen Koalitionstruppen auch die pro-iranischen Milizen und zeitweise auch al-Qaida gemeint –, also offen ihre Bewunderung für einen demokratischen Wahlprozess und das professionelle Umgehen der Kandidaten miteinander aus? Warum lobt sie den neuen US-Präsidenten?

Dahinter steckt der Versuch, von den Stärken des Feindes zu lernen, um die Spaltung der Extremisten zu überwinden. Al-Nuaimi warnt jedoch davor, sich von den Ungläubigen „in den Bann“ ziehen zu lassen. Das wären für ihn dann doch die falschen Konsequenzen: Denn wirklich ernst mit der Demokratie meint er es nicht.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch“.

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From → al-Qaida, Allgemeines

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