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Warum die Terrororganisation al-Qaida versagt hat (Die Welt)

Oktober 22, 2008

Alexander Ritzmann

Die Welt Online, 10. September 2008

Für den islamischen Superstaat waren und sind sie bereit zu töten: Die Kämpfer der al-Qaida. Sieben Jahre nach den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center ist ihr Terror noch immer allgegenwärtig. Doch keines der von al-Qaida angestrebten Ziele ist auch nur ansatzweise in Sichtweite.

1998 erklärte der Bauingenieur und Milliardärssohn Osama bin Laden im Namen der „Islamischen Weltfront gegen Juden und Kreuzfahrer“, dass es „die individuelle Pflicht jedes Muslims (sei), Amerikaner und deren Alliierte, Zivilisten und Soldaten, zu töten, in jedem Land in dem dies möglich ist.“

Als Ziel gab er damals an, die al-Aksa Moschee in Jerusalem und die Heilige Moschee in Mekka zu „befreien“ und alle Ungläubigen von der arabischen Halbinsel vertreiben zu wollen. Dazu plante er, die Errichtung eines islamistischen Superstaates (Kalifat), zunächst im Nahen Osten. Die pro-westlichen Regierungen in der Region müssen deshalb gestürzt werden.

Danach soll die Rückeroberung Andalusiens sowie weiterer ehemals unter der Herrschaft eines Kalifen stehender Territorien stattfinden. Außerdem fügte er an, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führen würde, gegen den sich die Muslime verteidigen müssten. Die Konflikte in Tadschikistan, Burma, Kaschmir, den Philippinen, Palästina, Somalia, Eritrea, Tschetschenien und Bosnien-Herzegowina wurden als Belege dafür benannt. Für die „Massaker“ in den jeweiligen Ländern sollten die USA als die Speerspitze der Kreuzritter bestraft werden.

Mit welcher Strategie will al-Qaida ihre Vision vom islamistischen Superstaat verwirklichen? Im Mai 2005 bezeichnete der militärische Kommandant der al-Qaida, Sayf al-Adl (übersetzt: Das Schwert der Gerechtigkeit), die Anschläge vom 11. September 2001 als Vergeltungsschlag für den angeblichen Krieg der USA gegen den Islam.

Al-Qaida hat ihre Ziele nicht erreicht

Außerdem sollte der Angriff eine neue „rechtschaffene Führung“ der Muslime erschaffen, um der „zionistisch-angelsächsisch-protestantischen Koalition“ entgegenzutreten, die für fast alle sozialen und politischen Probleme der islamischen Welt verantwortlich sei.

Und man wollte die USA „aus ihrem Loch hervorlocken“, damit man sie besser bekämpfen kann. Zudem sollte die Glaubwürdigkeit der al-Qaida bei den Muslimen und allen unterdrückten Völkern der Welt verbessert werden. In den letzten zwei Jahren kamen seitens der al-Qaida noch Globalisierungskritik und der Aufruf zur Überwindung des Kapitalismus hinzu.

Die bisherige Bilanz fällt negativ aus.

Keines der von der al-Qaida angestrebten Ziele ist auch nur ansatzweise in Sichtweite. Die pro-westlichen Regime sind intakt und obwohl es Muslime gibt, die große Probleme mit der westlichen Politik im Nahen Osten haben, sinkt deren Zustimmung für al-Qaida kontinuierlich. Auch ihre momentan starke Präsenz im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet wird sie nicht auf Dauer aufrecht erhalten können.. Hinzu kommt massive Kritik aus den eigenen Reihen an der Strategie, die USA derart angegriffen zu haben. Oder wie es der Pate des ägyptischen militanten Islamismus Dr. Fadel sagt: „Was bringt es, wenn man eines der Gebäude des Feindes zerstört und er dann eines deiner Länder?“

Das selbst gestrickte „Che-Guevara-Image“ bin Ladens als „gerechter Streiter“ gegen das Böse ist ebenfalls verblasst. Seine Popularitätswerte in der arabischen Welt sind mittlerweile so niedrig wie die des toten Saddam Hussein.

Trotzdem muss al-Qaida weiter mit allen verhältnismäßigen und dem Rechtssaat zur Verfügung stehenden Mittel bekämpft werden. Denn bin Ladens Bande bleibt gefährlich und seine Ideologie radikalisiert immer noch Muslime weltweit, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Dies liegt allerdings nicht nur an spezifischen Anti-Terror Maßnahmen sondern insbesondere daran, dass Muslime nichts mit bin Ladens brutaler und pseudo-religiöser Ideologie zu tun haben wollen.

Alexander Ritzmann ist Politischer Analyst und Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Seine An- und Einsichten zum Islamismus erscheinen wöchentlich in der Kolumne „Dschihad auf Deutsch“ .

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From → al-Qaida, Allgemeines

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