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Die Tage aller Terrororganisationen sind gezählt (Die Welt)

August 7, 2008

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 06.08.2008

Alle terroristischen Vereinigungen hören irgendwann auf zu existieren. Die Frage ist nur wie und wann. Den Ursachen, die zum Ableben von Terrorgruppen in der Vergangenheit geführt haben, ist die RAND Corporation, eine amerikanische Denkfabrik, nun nachgegangen. Sie hat dazu 648 Organisationen untersucht.

Vorneweg: Terrororganisationen, die klare, eingrenzbare politische Ziele haben können häufig (zu 40 Prozent) durch politische Teilhabe zur Aufgabe des Terrorismus gebracht werden. Bei denjenigen, die nicht eingebunden werden können oder wollen, ist die Bekämpfung durch Polizei und Geheimdienste, also das Verhaften oder Töten der Mitglieder am wirksamsten (zu 43 Prozent). Erfolgreiche militärische Lösungen (7 Prozent) stellen die Ausnahme dar und funktionieren nur bei großen Gruppen mit paramilitärischen Strukturen. Zehn Prozent der untersuchen Organisationen waren erfolgreich und haben ihre Ziele erreicht.

Weitere interessante Ergebnisse der Studie „How Terrorist Groups End“ der amerikanischen Denkfabrik RAND sind: „Je größer die Gruppe, desto wahrscheinlicher ihr Erfolg“ und „Religiöse Terrororganisationen überleben zwar länger als säkulare Gruppen, haben aber noch nie ihre Ziele erreicht.“

Dem Ganzen liegt die Frage zugrunde, die der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einmal so formuliert hatte: „Fangen, töten, entmutigen oder schrecken wir mehr Terroristen ab, als … radikale Prediger rekrutieren, trainieren und gegen uns schicken?“

Damit war in erster Linie al-Qaida gemeint und mit den Erkenntnissen der Studie soll gerade der Kampf gegen Osama Bin Ladens Truppe effektiver gestaltet werden.

Klar ist: eine politische Lösung mit al-Qaida kommt für RAND nicht in Frage. Denn Bin Ladens Ziele, also erstens, die pro-westlichen Regierungen im Nahen Osten zu stürzen um ein Kalifat zu errichten und zweitens, die Mobilisierung aller Muslime um die USA und ihre Alliierten zu bekämpfen, sind einer politischen Lösung nicht zugänglich.

Und was bedeutet die Studie nun konkret für den Kampf gegen al-Qaida? Seit dem 11. September 2001 hat sich die Strategie der USA auf militärische Einsätze konzentriert. RAND kommt zum Schluss, dass es jedoch bisher nicht gelungen sei, al-Qaida militärisch außer Gefecht zu setzen. Um den „Krieg gegen den Terrorismus“ zu gewinnen, müsse deshalb der „Krieg“ beendet werden. Militärische Einsätze müssten, wenn überhaupt, auf das zwingend notwendige Maß beschränkt werden, weil es trotz aller Präzisionswaffen immer wieder zu Toten unter der Zivilbevölkerung kommt. Dadurch würden die USA ihre Legitimität verlieren und den Rekrutierern der anderen Seite in die Hände spielen.

Stattdessen sollten die im Anti-Terrorkampf empirisch erfolgreichsten Maßnahmen, also die Konzentration auf Anti-Terror Gesetzgebung, polizeiliche Maßnahmen und Geheimdienste, deutlich stärker als bisher angewandt werden.

Außerdem sollte der Begriff „Krieg gegen den Terrorismus“ fallengelassen werden, denn er würde bei der Öffentlichkeit Erwartungen wecken, dass der Feind auf dem Schlachtfeld besiegt werden könne. Terroristen sollten auch nicht mehr als „Heilige Krieger“ bezeichnet werden, weil man sie damit mit der von ihnen angestrebten Legitimität versorge.

Terroristen in Deutschland, Großbritannien oder den USA als Kriminelle und mit den Mitteln des Rechtsstaates zu verfolgen ist zweifellos die Strategie, die mittel-und langfristig Erfolg haben wird.

Die Studie hat aber auch ihre Schwächen. Die harsche Kritik an militärischer Intervention übersieht, dass das al-Qaida Unterschlupf gebende Taliban Regime in Afghanistan ohne NATO Truppen heute wohl noch an der Macht wäre. Deswegen gibt es zu den friedensschaffenden Missionen in Afghanistan solange keine sinnvolle Alternative, bis die Afghanen selbst für Freiheit, Recht und Ordnung sorgen können.

Und die Kritik am Irak Krieg als gescheitertem Anti-Terror Einsatz geht schon deswegen fehl, weil dieser nie wirklich dazu gedacht war, Bin Laden und Konsorten zu bekämpfen.

Die gute Nachricht aber lautet, dass al-Qaida keine Chance auf Sieg hat. Weder erscheint der Umsturz eines Regimes möglich, noch erheben sich die Muslime weltweit gegen die USA und ihre Alliierten, zu denen ja auch Deutschland zählt.

Im Gegensatz zur libanesischen Hisbollah, die ihren Terror durch politische Teilhabe und mit iranischem Geld finanzierte Schulen und Krankenhäuser zu maskieren sucht, konzentriert sich die al-Qaida auf Terrorismus pur. Dies hat zu immer weiter sinkenden Popularitätswerten in der muslimischen Welt geführt. Sich die halbe Welt zum Feind zu machen und unerreichbare Ziele auszurufen, ist eben keine Siegerstrategie.

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