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Der Terror aus der Lehmhütte erreicht Europa (Die Welt)

Mai 25, 2008

Alexander Ritzmann

Die Welt online, 07.05.2008

Wer sind die Menschen, die sich selbst zu Gotteskriegern ernennen und den Dschihad gegen die Ungläubigen zu ihrem Lebensinhalt erklären? Ein Interview mit einem Islamisten vermittelt jetzt zum ersten Mal sehr persönliche Einblicke in das Leben eines Terroristen. Ein Leben zwischen Leidenschaft und Lehmhütten.

„Also unternehmt endlich was und kommt zum Dschihad!“, rief Eric B. letzte Woche seinen Glaubensbrüdern in Deutschland per Video zu. Der 21-jährige ehemalige Musterschüler, jetzt „Heiliger Krieger“, aus Neunkirchen im Saarland befindet sich gegenwärtig vermutlich im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Und er versetzt die deutschen Sicherheitsbehörden mit seinem Appell in helle Aufregung.

Denn Eric B. gehört zu jener Gruppe deutscher Konvertiten und Türken, die im letzten September Anschläge gegen US-Militärbasen, den Flughafen Frankfurt/Main und von Amerikanern besuchte Diskotheken plante.

Da er in dem Video mit Sprengstoffgürtel und unvermummt auftrat, gehen einige Sicherheitsexperten davon aus, dass er zeitnah einen Anschlag verüben wird. Bereits Ende März hatte der im bayerischen Freising geborene Cüneyt Ciftci sich und vier Menschen in Afghanistan in die Luft gesprengt.

Diese jungen Männer sind bzw. waren Mitglieder der bis vor kurzem kaum bekannten „Islamischen Dschihad Union“ (IDU) mit Hauptsitz im pakistanischen Nord-Wasiristan. Die IDU wird von Türken und Usbeken geprägt und kämpft an der Seite von Taliban und al-Qaida.

Gotteskrieger in Lehmhütten

Ein vor wenigen Tagen von der amerikanischen „NEFA Foundation“ vom Türkischen ins Englische übersetztes Dokument der IDU erlaubt nun tiefere Einblicke in deren Motivation und Ziele:
In einem inszenierten Interview vom 14. April steht der IDU-Kämpfer Abu Yasir Al-Türki Rede und Antwort.
Demzufolge ist die IDU eine erfolgreiche Ansammlung in Lehmhütten lebender „Gotteskrieger“, die die ganze Welt erobern wollen.
Al-Türki (Der Türke) berichtet zunächst, dass der Dschihad hervorragend verlaufe und die Schlagkraft und Erfahrung der Kämpfer jeden Tag stiegen.
Gefragt, ob das Leben eines Dschihadisten wirklich so hart sei, antwortet er, dass es dort keine Spur von Luxus gebe. Er lebe mit Frau und Kindern in einer Lehmhütte, die aus nur einem Raum bestehe, während ihnen damals in der Türkei ein Haus mit drei Zimmern zu klein gewesen sei.
Der Fragesteller hakt nach und Al-Türki erzählt von einer Schilfmatte, der Anzahl der Kissen (insgesamt sechs), dem Geschirr und einer großen Spielzeugspinne, auf der sein kleines Kind reiten würde.
Offensichtliches Ziel dieser detaillierten Schilderung der einfachen Lebensumstände ist es, die Opferbereitschaft, Hingabe und vermeintliche Religiosität der IDU-Terroristen zu zeigen.

Kämpfen oder spenden

Denn Al-Türki sagt, er habe nach Abschluss seines Studiums eigentlich ein Leben im Luxus angestrebt und schnelle Autos fahren wollen. Nun aber versuche er so zu leben, wie es der Prophet Mohammed und seine Gefährten getan hätten. Damals habe sich sein Leben darum gedreht, einen besser bezahlten Job zu bekommen – heute wolle er seine Stellung im Paradies verbessern.

Zur finanziellen Situation befragt antwortet Al-Türki, ein verheirateter Kämpfer mit zwei Kindern würde 4000 Rupien (rund 51 US-Dollar) pro Monat erhalten, Singles bekämen ab und zu 200-300 Rupien für den persönlichen Bedarf. So Allah wolle, werde sich die Gehaltssituation aber bald verbessern.

Dieser zur Schau gestellten Genügsamkeit folgt der Appell, die IDU finanziell zu unterstützen, weil „Kriege schließlich Geld kosten“. Al-Türki und auch Eric B. stellen den „Dschihad“ als Pflicht für jeden Moslem dar. Und wer nicht kämpfen könne, der müsse eben spenden!
Al-Türki versucht, diese angebliche Kriegspflicht mit acht Koranzitaten zu untermauern. Er schiebt jedoch hinterher, dass Gelehrte, die ihre Religion verkauft hätten, Muslime durch eine falsche Übersetzung dieser Stellen im Koran davon abhalten würden, im Namen Allahs zu sterben.

Islam als einzige Weltreligion

Für die Islamische Dschihad Union gehe es dabei nicht etwa nur um die Sache Afghanistans, Tschetscheniens oder Palästinas.
Ziel sei es vielmehr, den Islam zur einzigen Religion auf der Welt zu machen und ganz Europa der Jizya-Steuer für Ungläubige zu unterwerfen. Dies könne natürlich nur mit Allahs Hilfe geschehen. Damit hat Al-Türki vermutlich Recht, da die IDU nur geschätzte 200 Mitglieder hat.
Das ultimative Ziel sei es aber – daran lassen Al-Türki und Eric B. keine Zweifel aufkommen – als Märtyrer in den Garten Eden einzuziehen.
Das mit Koranzitaten und religiösen Formeln gespickte „Interview“ endet mit einem Aufruf an türkische Muslime, sich dem Dschihad anzuschließen.
Oder wolle man etwa vor dem Fernseher sitzend Chips essen und Cola trinken, während Kleinkinder und Moscheen bombardiert würden?

Moralische Empörung über tatsächliche und erfundene Ungerechtigkeiten, die Schimäre, für eine gerechte Sache im Namen Gottes zu kämpfen, das Streben nach Ruhm und die Verheißungen des Paradieses sind wesentliche Bestandteile der Motivation der selbsternannten Gotteskrieger.
Die angebliche Pflicht zum Dschihad und die geschürte Angst vor dem Höllenfeuer soll all jene umstimmen, die bisher zögerten.

Würde diese Propaganda in Europa auf fruchtbaren Boden fallen, könnte dies verheerende Konsequenzen auch für Deutschland haben.

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From → al-Qaida, Allgemeines

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