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Wie man dem Terror den Geldhahn zudreht (Die Welt)

März 20, 2008

Alexander Ritzmann


Die Welt, 30.01.2008

Seit Jahren versuchen europäische und amerikanische Behörden, dem islamistischen Terrorismus den Geldhahn zuzudrehen. Trotz kleiner Erfolge sind al-Qaida und andere Terrororganisationen bis heute in der Lage, Anschläge zu verüben. Auch in Deutschland wird Geld dafür gesammelt.

Ein Terrorist ohne Geld kann nicht viel bewirken. Anschläge und die nötige Logistik dazu kosten nämlich Geld. Viel Geld. Doch manche Kritiker behaupten das Gegenteil: Terrorattacken seien billig, Geld spiele dabei, wenn überhaupt, nur eine sehr eingeschränkte Rolle. Behörden sollten sich im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus jedoch lieber auf andere Methoden konzentrieren.

Während für die Anschläge vom 11. September 2001 zwischen 300.000 Dollar und 500.000 Dollar benötigt wurden, hat nach Angaben der Vereinten Nationen kein anderer Anschlag von al-Qaida mehr als 50.000 Dollar gekostet. Die Selbstmordattentäter vom 7. Juli 2005 in London sollen britischen Ermittlern zufolge sogar nur etwa 8000 britische Pfund benötigt haben. Der Anführer der Terrorzelle hatte sie durch einen Kleinkredit seiner Bank finanziert.

Terrorismus ist ein kostspieliges Geschäft

Matthew Levitt vom Washington Insitute for Near East Policy weist jedoch zurecht darauf hin, dass für den Unterhalt eines Terrornetzwerkes, das Rekrutieren von neuen Mitgliedern, deren Training und Ausbildung, Reisekosten, gefälschte Dokumente, aufwendige Internetseiten, Bestechungsgelder etc. erhebliche finanzielle Mittel vonnöten seien.

Außerdem wird durch das Verbot von einschlägigen Spendensammelvereinen, das Einfrieren von Bankkonten und das Verhängen von Geldbußen an Banken ein gewisser Abschreckungseffekt erzielt, der davon abhalten soll, Terrororganisationen direkt oder indirekt zu unterstützen. Schon mehrfach sind Kontakte zwischen einem Terrornetzwerk und einer Zelle sichtbar geworden, weil verdächtigen Geldbewegungen nachgegangen wurde.

Dadurch wurde beispielsweise die Planung eines Anschlages aufdeckt, bei dem mit in Babynahrung verstecktem Flüssigsprengstoff Flugzeuge in die Luft gesprengt werden sollten, die von London aus Richtung USA unterwegs gewesen wären.
Auch in Deutschland wird Geld für den Terrorismus gesammelt

Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily hatte im Jahre 2002 etwa den Aachener Spendensammelverein „Al Aksa e.V.“ und zwei Nachfolgeorganisationen verboten, weil die von „Al Aksa e.V.“ unterstützten humanitären Organisationen „in erheblichem Umfang in militant-terroristische Ziele der Hamas eingebunden“ waren. Die Zuwendungen seien auch genutzt worden, um in den palästinensischen Gebieten Selbstmordattentäter zu rekrutieren oder deren Familien zu unterstützen.

Auch die in Deutschland lebenden Anhänger der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, die Israel vernichten und im Libanon einen Gottesstaat errichten wollen, unterstützen laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ihre Waffenbrüder durch Spendensammlungen und Finanztransfers. Der Verein „Waisenkinderprojekt Libanon e.V.“ etwa sammelt Spenden in Deutschland und gehört zur libanesischen „Al-Shahid (Der Märtyrer) Association“, welche wiederum der Hisbollah zugerechnet wird. Sie kümmert sie sich wie „Al Aksa e.V.“ um die Hinterbliebenen von Milizionären und Selbstmordattentätern.

Wer argumentiert, dass hier vor allem humanitäre Ziele verfolgt werden würden, übersieht, dass Gelder für Witwen und Waisen aus Deutschland eben auch Geld für Raketen und Sprengstoff freimachen. Erstaunlicherweise sammelt das „Waisenkinderprojekt Libanon e.V.“ bis heute Geld – vom Bundesinnenminister unbehelligt und vom deutschen Steuerzahler gefördert.

Sicherlich lässt sich der islamistische Terrorismus nicht durch Vereinsverbote und Einfrieren von Bankkonten besiegen. Den Spielraum von Terrororganisationen dadurch einzuengen, dass man ihnen den Zugang zu Geldern so schwer wie möglich macht, ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Anti-Terror-Strategie.

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