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Wie die Hisbollah Propaganda macht (Die Welt)

November 7, 2007

Alexander Ritzmann

Die Welt, 31.10.2007

Die libanesischen Extremisten haben einen eigenen Fernsehkanal, al-Manar. Der ist in Deutschland frei empfangbar und verkündet krude Verschwörungstheorien und vor allem Hass gegen die USA und Israel. Die Bundesregierung gibt zu, dass al-Manar problematisch ist, unternimmt aber nichts.

„Die Juden, die haben unser Land angegriffen, Schweine, scheiß Juden“ sagt ein 14-Jähriger in die Kamera des TV Magazins „Polylux“. Das war im September letzten Jahres. Auf die Frage, woher er das denn habe, sagt er: „Aus dem Fernsehen!“ und ruft hinterher: „Al-Manar!“

Al-Manar („Der Leuchtturm“) ist der Fernsehsender der libanesischen Terrororganisation Hisbollah und in Deutschland frei empfangbar. Dort werden zwischen Nachrichten und Unterhaltungsshows Terroranschläge und Attentate als „Märtyrertum“ glorifiziert und hetzerische Hassreden des Hisbollah-Chefs Nasrallah übertragen. Häufiger Höhepunkt seiner Reden: „„Und jetzt rufen alle, was wir vom Imam Khomeini gelernt haben: Tod für Amerika!“ Und die Menge brüllt: „Tod für Amerika! Tod für Amerika!“. Während des Karikaturenstreits im Februar 2006 hatte Nasrallah über den Sender Muslime aufgefordert, sich zu „opfern“, um die Ehre des Propheten zu verteidigen.

Mütter von Selbstmordattentätern erzählen auf al-Manar vom Glück über den „Märtyrertod“ ihres Sohnes und erhoffen dieses Ende auch für ihre anderen Söhne.

Und in der Übertragung aus einer von der Hisbollah betriebenen Schule singen 6-jährige Jungen aus voller Kehle mit stolzgeschwellter Brust: „Wir sind die Hisbollah, wir werden unser Leben für Allah opfern“.

„Wichtiges Leitmedium“ vor allem für Schiiten

Zudem verbreitet al-Manar Verschwörungstheorien, angefangen von der angeblichen jüdischen Weltherrschaft bis zu der Behauptung, dass am 11. September 2001 viertausend Juden, vom israelischen Geheimdienst Mossad gewarnt, nicht zur Arbeit im World Trade Center erschienen seien.
Ein Verfassungsschutzbericht spricht davon, dass „vor allem für schiitische Islamisten „al-Manar“ auch in Deutschland ein wichtiges Leitmedium“ darstelle. Seit dem angeblich „göttlichen Sieg“ der Hisbollah gegen Israel im Sommer letzten Jahres ist er auch bei sunnitischen Islamisten populär.
Den Recherchen des TV Magazins „Monitor“ zufolge erfreut sich das Programm sogar bei vielen als gut integriert geltenden Einwandererfamilien großer Beliebtheit.

Frankreich und Spanien haben den Sender verbannt

Zu al-Manar befragt, stellt die Bundesregierung fest, es sei „nicht auszuschließen, dass islamistische Propaganda eine Radikalisierung der islamistischen Szene in Deutschland (…) bewirken oder verstärken kann.“ Nicht auszuschließen also.
Und ein Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages erklärte vor einigen Monaten, dass al-Manar natürlich problematisch sei; ebenso sei jedoch verurteilenswert, dass italienische Pornosender nach Afghanistan hinein senden. Auf Nachfrage schob er nach, zumindest al-Manar noch nie geschaut zu haben.
In den USA, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Australien hat man das Problem erkannt. Auf Initiative der „Coalition Against Terrorist Media“, einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Personen – Muslime, Christen, Juden und Säkulare – wurde erreicht, dass al-Manar mittlerweile nicht mehr über dortige Satelliten empfangen werden kann.
Hier sind die Grenzen der Meinungsfreiheit erreicht: Antisemitismus, Hetzpropaganda und der permanente Aufruf zum Mord haben mit diesem Kernprinzip der Demokratie nichts zu tun.

Gespräche mit Ägypten und Saudi-Arabien nötig

Al-Manar sendet jedoch weiterhin nach Deutschland und in weite Teile Europas. Die Satelliten Arabsat und Nilsat, über die der „Leuchtturm“ hier zu empfangen ist, befinden sich in ägyptischem beziehungsweise saudischem Staatseigentum. Ansprechpartner wären somit die Regierungen dieser Länder.

Die Bundesregierung hatte im Januar 2007 angekündigt, ihre EU- Ratspräsidentschaft und den G8-Vorsitz zu nutzen, um mit Ägypten und Saudi Arabien über einen Sendestopp nach Deutschland zu sprechen. Geschehen ist nichts.

Die Macher von al-Manar sagen über ihr Programm, es sei „das wahre Spiegelbild dessen, was jeder Muslim und Araber denkt und glaubt“.

Das ist offensichtlich falsch. Damit das so bleibt, darf dieser Leuchtturm des Hasses nicht länger nach Deutschland strahlen.

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