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Micky Maus zieht in den Heiligen Krieg (Die Welt)

Mai 16, 2007

von Alexander Ritzmann, Forscher an der Johns Hopkins University in Washington D.C.
Die Welt – 15.05.2007

Als vergangene Woche ein kleines Mädchen im palästinensischen Fernsehen sagte, es wolle „die Juden auslöschen“ und zum „Märtyrer“ werden, brach im Westen ein kleiner Proteststurm los. Dies ist erstaunlich, denn Aussagen wie besagte sind in diversen arabischen und iranischen Medien an der Tagesordnung.

Die Empörung richtete sich vielmehr darauf, dass der TV-Sender al-Aksa, der zur palästinensischen Terrororganisation und Regierungspartei Hamas gehört, hier die Disney-Figur Micky Maus dazu nutzte, um Kinder gegen Israel, die Juden und den Westen aufzustacheln. Der Einsatz einer westlichen Ikone wie Micky Maus durch Islamisten hat für viele zum ersten Mal die Spitze des Eisbergs sichtbar gemacht. Mehr Videoclips, die zeigen, wie Minderjährigen der Heilige Krieg schmackhaft gemacht wird, kann man kinderleicht im Internet etwa bei Youtube anschauen.

Bei Al-Aksa-TV werden auch Paraden von kindlichen Selbstmordattentätern in Ausbildung und militärische Drills von Kindersoldaten, die „Tod für Israel und Amerika“ rufen, gezeigt. In einem Beitrag singt ein kleines Mädchen, dessen Mutter sich und vier Israelis in die Luft gesprengt hat: „Meine Liebe wird nicht nur aus Worten bestehen, ich folge Mama auf ihrem Weg.“ Diese Zeile wird dreimal wiederholt. Dann öffnet das Mädchen eine Schublade, die Sprengstoff enthält. Es nimmt diesen heraus und schaut in die Kamera …
Im iranischen Fernsehen wird in einer Kindershow gesungen, dass „… das palästinensische Kind bereit ist, sein eigenes Leben zu opfern, um den Feind zu vertreiben“. In Cartoonsendungen werden Jugendliche glorifiziert, die sich inmitten von israelischen Soldaten in die Luft sprengen.

Wer sich die Sucherei ersparen will und arabisch spricht, kann auch gleich zum Online-Magazin „Al-Fateh“ (der Eroberer) gehen. In dieser ebenfalls der Hamas zugeordneten Web-Seite werden Dschihad und Märtyrertum kindgerecht glorifiziert. Dort finden sich professionell gemachte und bunt bebilderte Aufrufe wie: „Ich fordere jeden Muslim auf, einen Zionisten zu verletzen und als Märtyrer für Allah zu sterben …“ und „Der Jude ist der Feind des Islam“. Den kindlichen Lesern wird erklärt: „Wir sind entschlossen, uns an den Feinden Allahs … zu rächen, den Zionisten und Juden, den Amerikanern, den Briten und ihresgleichen …“

In einem weiteren Comic werden arabische Kinder aufgerufen, den Terror zu unterstützen, um Israel von den „zionistischen Dieben“ zu befreien. In einer Ausgabe stellt sich den Kindern die spanische Stadt Sevilla vor und sagt: „Ich wünsche mir, dass ihr, meine Freunde, mich auffordert, mit den restlichen Städten des verlorenen Paradieses in die Hände der Muslime zurückzukehren.“ Die Web-Seite ist populär, der „Eroberer“ hatte einem Bericht des Center for Monitoring the Impact of Peace zufolge bis November 2006 etwa 46 Millionen Zugriffe.

Der Einfluss dieser auf Kinder zugeschnittenen Propaganda ist schwer zu messen. Innerhalb der letzten sieben Jahre sollen sich jedoch mehr als 300 minderjährige Palästinenser, der jüngste war elf Jahre alt, als Kuriere, Kindersoldaten und Selbstmordattentäter betätigt haben. Weltweites Aufsehen erregte der Fall des damals 15-jährigen Hussam Abado, der im März 2004 vorhatte, sich und andere an einem israelischen Grenzposten in die Luft zu sprengen. Als Grund gab er an, ins Paradies zu wollen. Außerdem sei ihm Sex mit Jungfrauen versprochen worden. Er entschied sich jedoch um und schnitt sich vor laufender Kamera den neun Kilo schweren Sprengstoffgürtel vom Körper. Der aktuellste Anschlagsversuch fand Anfang Mai diesen Jahres statt. Raed al-Nadi (17) wurde in der West Bank festgenommen, als er sich sprengstoffbeladen in Richtung Israel aufmachte.

Auch Europa ist von dieser Indoktrinierung durch TV und Internet direkt betroffen. Al-Manar-TV und Al-Aksa-TV sind frei per Satellit empfänglich. Internetangebote wie „Al Fateh“ sind für Minderjährige einfach zu erreichen. Die Folgen sind absehbar. Auf jährlich stattfindenden Demonstrationen zur „Befreiung Jerusalems“, von Stockholm bis London, marschieren Kinder verkleidet als Selbstmordattentäter mit. Jugendliche mit Migrationshintergrund in Berlin hassen Israel, und wie der Bericht des TV-Magazins „Polylux“ im Herbst letzten Jahres gezeigt hat, ist das Wort „Jude“ für sie das schlimmste Schimpfwort.

Egal, welche Position man im Nahost-Konflikt einnimmt, der durch Hamas und andere gezielt stattfindende Missbrauch von Kindern kann unter keinen Umständen akzeptiert werden. Die neue palästinensische Einheitsregierung unter Beteiligung der Hamas wird von der EU und deren Mitgliedstaaten massiv finanziell unterstützt. Die Bundesregierung muss die gegenwärtige EU-Ratspräsidentschaft und den G-8-Vorsitz nutzen und Druck auf die Hamas ausüben, damit sie die Hasspropaganda aus dem Programm nimmt.

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From → Allgemeines, Hamas

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